17. September 2026, Erinnerungshafen 16:30 bis 18:00 Uhr
Seit einigen Jahren hat das Projekt „Erinnerungshafen – Hilfe für ein Leben mit Demenz“, sich bemüht entlastende Angebote für Angehörige zu schaffen, aber auch Fachvorträge organisiert und damit viel bewirkt. Bisher im Haus St Anna und jetzt starten wir auch in Klausdorf mit einem Expertenvortrag Demenz:
Vom ersten Anzeichen bis zum Alltag
Erfahren Sie mehr über die medizinische und pflegerische Begleitung
einer Demenzerkrankung von den ersten Anzeichen bis zur
Begleitung im Alltag von ärztlichem und pflegerischem Personal.
Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:
Tokessa Tag (Neurologin aus Preetz)
Dr. Johannes Schuldt (Hausarzt aus Raisdorf)
Julia Jensen (ambulanter Dienst St. Anna)
Sandra Schröder (Erinnerungshafen des Kreises Plön)
Warum brauchen wir in Klausdorf eine Demenzbetreuung?
Derzeit leben in Deutschland rund 1,6 Mio. Menschen mit Demenz.
Wenn keine Behandlungsmöglichkeit für die bislang unheilbare Erkrankung entwickelt wird, könnten es 2050 doppelt so viele sein.
Doch Demenz fordert unsere Gesellschaft nicht nur auf medizinischer
Ebene heraus. Wir müssen uns auch der Frage stellen, wie das Leben mit Demenz würdig und mit Teilhabe gestaltet werden kann. (DAK-Report)
Viel zu häufig prägt noch die Vorstellung, dass die Familien die
Begleitung von Menschen mit Demenz alleine leisten können.
Doch ist „Gutes Leben mit Demenz“ nicht nur unter normativen Gesichtspunkten ein für die breite Öffentlichkeit relevantes Thema. Wir
wissen aus der Forschung, dass Menschen mit Demenz Glücksmomente
erfahren können und ein Dasein mit Demenz in vieler Hinsicht auch ein intensives, gutes sein kann. Demenz kann so zu einem selbstverständ-lichen Teil dieses Lebens und gleichwohl zu einem Weg aus diesem werden. Für viele Menschen hat die Begleitung von Menschen mit Demenz ihre Vorstellung vom Menschsein und von zwischen-menschlicher Solidarität verändert.
Gesellschaftlich geht es darum, die verfügbaren Mittel und Ressourcen
für Menschen mit Demenz so einzusetzen, dass sie der Gestaltung
eines guten Lebens dienen.
Für Menschen mit Demenz gilt dies unabhängig von derzeitigen
Heilungsaussichten oder Behandlungsformen. Als Gesellschaft
stehen wir somit vor der Aufgabe, Demenz als Lebensform anzuerkennen, wollen wir uns selbst nicht einer konstruktiven Alter(n)kultur (BMFSFJ 2010) verweigern. Die Chance hierfür liegt im gemeinsamen Lernen – individuell, fachlich und zivilgesellschaftlich.
So wirken intakte soziale Kontakte positiv auf Krankheitsverläufe.
Körperliche Zuwendung stellt auch für Menschen mit Demenz ein Bedürfnis dar und nicht zuletzt sind diese Personen zur intensiven Empfindung und differenzierten emotionalen Äußerung fähig. Auch die Sicherung individueller Autonomie und Selbstbestimmung sowie eine
gute fachliche Begleitung sind wichtige Ressourcen zur Gestaltung eines Lebens mit Demenz.
Besonders Menschen mit Demenz benötigen verschiedene Formen anteilnehmender Fürsprache, um ihre Wünsche und Bedürfnisse angemessen selbstbestimmt umsetzen zu können. Die Fachwelt kennt hierfür den Begriff der relationalen (auf Beziehungen beruhenden) Autonomie. Diese kann als eine der grundlegenden Bedingungen guten Lebens kenntlich gemacht werden.
50 % der Demenzerkrankten befindet sich ein Jahr nach der Erstdiagnose in stationärer Behandlung. Auch und gerade die Unterstützung durch die ambulante Pflege ist schwierig. Aufgrund von personellen Engpässen würde der Dienst die Leistungen immer wieder nicht erbringen. In Urlaubszeiten oder bei Krankheit gäbe es kaum Vertretung.
Mit der viel zitierten Alterung der Gesellschaft in Deutschland geht
die Zunahme an demenziellen Erkrankungen einher und der Bedarf an stationärer Pflege steigt. Dies haben wir im Rahmen der Quartiersarbeit für den OT Klausdorf ermittelt.
Für die ca. 160 zu erwartenden Demenzerkrankten müssen im Rahmen eines generationsübergreifenden Wohnquartiers bis 2030 mindestens zwei Demenzwohngemeinschaften mit zusammen 24 Plätzen hier in Klausdorf geschaffen werden. Rechnerisch wären sogar 80 erforderlich.
Anlagen:
DAK-Report: Gutes Leben mit Demenz: Daten, Erfahrungen und Praxis
Bertelsmann-Stiftung: Bevölkerungsvorausberechnung
Land S-H: Pflegebericht
Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2019











