Demenz - Vom ersten Anzeichen bis zum Alltag

Dr. med. Johannes Schuldt beim Vortrag (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Dr. med. Johannes Schuldt beim Vortrag

Der AWO-Raum im Bürgerhaus war bis auf den letzten Platz belegt.

AWO und ver.di hatten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Orden zum Expertenvortrag Demenz - Vom ersten Anzeichen bis zum Alltag

eingeladen.

 

Eingangs sprach Dr. med. Johannes Schuldt aus Raisdorf die Demenz aus der Sicht des Hausarztes an. Warum wird man dement? Für das Absterben von Nervenzellen gebe es unzählige mögliche Gründe wie

Ablagerungen (Alzheimer), Vergiftungen (insbesondere Alkohol)

oder Gefäßschäden (Schlaganfall). An Beispielen erläuterte er, wann und wie man dement wird und wie dies festgestellt wird.

 

Neurologin Tokessa Tag aus Preetz schloss an. Bei der Krankheit kommt es zu einem Absterben von Nervenzellen und der Zerstörung ihrer Verbindungen untereinander. Dies geht mit einem zunehmen-den Rückgang der Hirnmasse einher, vor allem in bestimmten Gehirnregionen. Bei Alzheimer-Erkrankten beobachtet man zwischen den Nervenzellen vermehrt unauflösliche Ablagerungen (Plaques). Sie bestehen aus dem Eiweißbestandteil Beta-Amyloid, welcher im gesunden Gehirn abgebaut wird. Im Inneren der Zellen wiederum kommt es zu einer chemischen Veränderung der sogenannten Tau-Fibrillen. Sie sind eigentlich wichtig für die Zellstruktur und den Nährstofftransport. Darüber hinaus ist weniger Acetylcholin im Gehirn von Alzheimer-Betroffenen vorhanden. Das ist ein Botenstoff, der wichtig für das Gedächtnis ist. Der Antikörper bei der Antikörpertherapie dockt an Amyloid-Plaques oder Tau-Fibrillen an. Sobald der Antikörper gebunden ist, signalisiert er dem Immunsystem: "Hier ist etwas Schädliches – bitte entfernen!" Fresszellen (Makrophagen) greifen die markierten Plaques an und bauen sie ab. Durch die Reduzierung der Plaques wird die Nervenzellschädigung gebremst.

 

Sie rät aktiv zu bleiben und zu ausgewogene, polyphenolhaltige Ernährung. Halt in Strukturen zu suchen und sich auszutauschen.

Planen und akzeptieren Sie Hilfe.

 

Die mögliche Unterstützung im Verlauf der Demenz stellte uns Julia Jensen 04307 907 220 von St. Anna vor.

Wie die Unterstützung von Angehörigen durch Beratung & Anleitung sowie Entlastung im Pflegealltag z.B. durch Betreuung und Unterstützung im Haushalt mit der Möglichkeit der gemeinsamen Lösungsfindung sowie Vermittlung weiterer Hilfsangebote, Beratung zu Hilfs- & Pflegemitteln

 

Ambulante Pflegedienste sind regelmäßig im häuslichen Umfeld und können dadurch Veränderungen wahrnehmen, z.B.:

      Zunehmende Orientierungsschwierigkeiten

      Veränderungen beim Essen und Trinken

      Sturzgefährdung

      Überforderung von Angehörigen

      Zunehmender Unterstützungsbedarf

Ambulante Dienste können somit darauf reagieren, in dem sie ärztliches Personal oder Angehörige informieren und weitere Unterstützungs-angebote empfehlen.

 

 

Welche Hilfsangebote gibt es?

 

 

Der Pflegestützpunkt berät umfassend zu den Themen Leben und Wohnen im Alter, Pflege und Betreuung

Das Angebot ist kostenlos und richtet sich an alle gesetzlich versicherten Menschen die Hilfe benötigen Kontakt Telefon: 04522 743-311

 

Alzheimer Gesellschaft im Kreis Plön

Die Angehörigengruppe findet jeden zweiten Dienstag im Monat zwischen 15:30 Uhr & 17:00 Uhr statt

Kontakt: 0175 / 455 06 69

 

Erinnerungshafen

Sandra Schröder 04307 907 222

 

Derzeit leben in Deutschland rund 1,6 Mio. Menschen mit Demenz.

Wenn keine Behandlungsmöglichkeit für die bislang unheilbare Erkrankung entwickelt wird, könnten es 2050 doppelt so viele sein.

Doch Demenz fordert unsere Gesellschaft nicht nur auf medizinischer

Ebene heraus. Wir müssen uns auch der Frage stellen, wie das Leben mit Demenz würdig und mit Teilhabe gestaltet werden kann. (DAK-Report)

 

Viel zu häufig prägt noch die Vorstellung, dass die Familien die

Begleitung von Menschen mit Demenz alleine leisten können.

 

Doch ist „Gutes Leben mit Demenz“ nicht nur unter normativen Gesichtspunkten ein für die breite Öffentlichkeit relevantes Thema. Wir

wissen aus der Forschung, dass Menschen mit Demenz Glücksmomente

erfahren können und ein Dasein mit Demenz in vieler Hinsicht auch ein intensives, gutes sein kann. Demenz kann so zu einem selbstverständ-lichen Teil dieses Lebens und gleichwohl zu einem Weg aus diesem werden. Für viele Menschen hat die Begleitung von Menschen mit Demenz ihre Vorstellung vom Menschsein und von zwischen-menschlicher Solidarität verändert.

 

Gesellschaftlich geht es darum, die verfügbaren Mittel und Ressourcen

für Menschen mit Demenz so einzusetzen, dass sie der Gestaltung

eines guten Lebens dienen.

 

Für Menschen mit Demenz gilt dies unabhängig von derzeitigen

Heilungsaussichten oder Behandlungsformen. Als Gesellschaft

stehen wir somit vor der Aufgabe, Demenz als Lebensform anzuerkennen, wollen wir uns selbst nicht einer konstruktiven Alter(n)kultur (BMFSFJ 2010) verweigern. Die Chance hierfür liegt im gemeinsamen Lernen – individuell, fachlich und zivilgesellschaftlich.

 

So wirken intakte soziale Kontakte positiv auf Krankheitsverläufe.

Körperliche Zuwendung stellt auch für Menschen mit Demenz ein Bedürfnis dar und nicht zuletzt sind diese Personen zur intensiven Empfindung und differenzierten emotionalen Äußerung fähig. Auch die Sicherung individueller Autonomie und Selbstbestimmung sowie eine

gute fachliche Begleitung sind wichtige Ressourcen zur Gestaltung eines Lebens mit Demenz.

 

Besonders Menschen mit Demenz benötigen verschiedene Formen anteilnehmender Fürsprache, um ihre Wünsche und Bedürfnisse angemessen selbstbestimmt umsetzen zu können. Die Fachwelt kennt hierfür den Begriff der relationalen (auf Beziehungen beruhenden) Autonomie. Diese kann als eine der grundlegenden Bedingungen guten Lebens kenntlich gemacht werden.

 

50 % der Demenzerkrankten befindet sich ein Jahr nach der Erstdiagnose in stationärer Behandlung. Auch und gerade die Unterstützung durch die ambulante Pflege ist schwierig. Aufgrund von personellen Engpässen würde der Dienst die Leistungen immer wieder nicht erbringen. In Urlaubszeiten oder bei Krankheit gäbe es kaum Vertretung.

 

Mit der viel zitierten Alterung der Gesellschaft in Deutschland geht

die Zunahme an demenziellen Erkrankungen einher und der Bedarf an stationärer Pflege steigt. Dies haben wir im Rahmen der Quartiersarbeit für den OT Klausdorf  ermittelt.

 

 

 

 

 

 

 


 

Für die ca. 160 zu erwartenden Demenzerkrankten müssen im Rahmen eines generationsübergreifenden Wohnquartiers bis 2030 mindestens zwei Demenzwohngemeinschaften  mit zusammen 24 Plätzen hier in Klausdorf geschaffen werden. Rechnerisch wären sogar 80 erforderlich.